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BarrierefreiheitInklusion

Barrierefreiheit in der Ausstellung: Inklusion durch einfache Sprache und digitale Guides

13. Juni 2026 · 9 Min. Lesezeit
Barrierefreiheit in der Ausstellung: Inklusion durch einfache Sprache und digitale Guides

Wenn von Barrierefreiheit im Museum die Rede ist, denken viele zuerst an Rampen, Aufzüge und ausreichend breite Türen. Diese baulichen Maßnahmen sind unverzichtbar – aber sie lösen nur einen Teil des Problems. Die größte Hürde steht oft an der Wand: Ausstellungstexte, die ein Fachvokabular voraussetzen, in langen Schachtelsätzen formuliert und nur in einer Sprache verfügbar sind. Wer sie nicht lesen oder nicht verstehen kann, bleibt von der eigentlichen Ausstellung ausgeschlossen, obwohl er längst im Raum steht. Echte Inklusion beginnt dort, wo Inhalte für möglichst alle Menschen wahrnehmbar und verständlich werden.

Barrierefreiheit ist mehr als eine Rampe

Die UN-Behindertenrechtskonvention, die Deutschland 2009 ratifiziert hat, verankert in Artikel 30 ausdrücklich das Recht auf Teilhabe am kulturellen Leben – und nennt Museen als einen der Orte, die zugänglich sein müssen. Zugänglichkeit meint dabei nicht nur das Gebäude, sondern auch die Inhalte: Sie sollen wahrnehmbar, bedienbar und verständlich sein. Dieselben Prinzipien liegen den international anerkannten Web-Richtlinien (WCAG) zugrunde, an denen sich auch digitale Barrierefreiheit misst. Ein Aufzug schafft Zugang zum Raum; verständliche, mehrsprachige und vorlesbare Inhalte schaffen Zugang zur Ausstellung selbst.

Wie viele Menschen es tatsächlich betrifft

Die Dimension wird oft unterschätzt. Die LEO-Studie 2018 der Universität Hamburg kommt zu dem Ergebnis, dass rund 6,2 Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland gering literalisiert sind – das entspricht 12,1 Prozent dieser Altersgruppe. Sie können einzelne Sätze entziffern, scheitern aber an zusammenhängenden Texten, wie sie an Museumswänden üblich sind. Hinzu kommen nach Schätzungen des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands rund 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen sowie ein wachsender Anteil internationaler Gäste, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist. Barrierefreie Inhalte sind damit kein Angebot für eine kleine Randgruppe, sondern für einen erheblichen Teil des Publikums.

Leichte Sprache und Einfache Sprache – ein wichtiger Unterschied

In der Praxis werden zwei Konzepte häufig verwechselt. Leichte Sprache ist eine stark geregelte Sprachform mit klaren Vorgaben – etwa nur einem Gedanken pro Satz, erklärten Fachbegriffen und einer festen Gestaltung. Seit 2023 fasst die DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“, erarbeitet im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, diese Regeln erstmals einheitlich zusammen. Einfache Sprache ist weniger streng: Sie reduziert Komplexität, erlaubt aber längere Sätze und einen größeren Wortschatz. Für Museen ist meist eine bewusst gewählte Mischung sinnvoll – verständlich genug für ein breites Publikum, ohne die fachliche Tiefe ganz aufzugeben.

  • Kurze Sätze mit möglichst nur einer Aussage.
  • Häufige, alltägliche Wörter statt Fachbegriffen – und Fachbegriffe, wo nötig, kurz erklärt.
  • Aktive Formulierungen statt komplizierter Passivkonstruktionen.
  • Ein klarer Aufbau, der das Wichtigste zuerst nennt.

Warum digitale Guides den Unterschied machen

An der Wand muss ein Text eine einzige Fassung für alle finden – ein Kompromiss, der selten allen gerecht wird. Digital lässt sich dieselbe Information in mehreren Ebenen anbieten: der ausführliche Fachtext für Interessierte, eine Fassung in einfacher Sprache auf Knopfdruck, dazu Übersetzungen und eine Audioversion. Die Besucherinnen und Besucher entscheiden selbst, welche Ebene zu ihnen passt – ohne dass jemand sich ausgegrenzt fühlt, weil er erst nach einer vereinfachten Version fragen müsste. So wird Inklusion zur stillen Selbstverständlichkeit statt zur Sonderlösung.

Mehrsprachigkeit, Audio und individuelle Einstellungen

Ein digitaler Guide räumt weitere Barrieren beiseite. Übersetzungen erreichen internationale Gäste in ihrer Sprache. Vorgelesene Texte unterstützen Menschen mit Sehbeeinträchtigung, mit Leseschwäche oder einfach jene, die lieber zuhören. Und weil die Inhalte auf dem eigenen Smartphone laufen, stellt jede Person Schriftgröße, Kontrast und Lautstärke so ein, wie es für sie angenehm ist – Funktionen, die moderne Betriebssysteme ohnehin mitbringen und die kein Leihgerät bieten kann.

  • Einfache Sprache parallel zum Fachtext – auf Knopfdruck umschaltbar.
  • Mehrsprachige Inhalte für ein internationales Publikum.
  • Vorgelesene Texte und Audioguides, ganz ohne Leihgerät.
  • Schriftgröße, Kontrast und Lautstärke individuell am eigenen Gerät einstellbar.
Inklusion heißt nicht, einzelne Gruppen mitzudenken – sondern Inhalte so zu gestalten, dass niemand außen vor bleibt.

Was das für Ihre Ausstellung bedeutet

Barrierefreiheit muss kein Großprojekt sein. Oft genügt es, bei den wichtigsten Exponaten zu beginnen: eine Fassung in einfacher Sprache, ein oder zwei Übersetzungen, eine Audioversion. Weil digitale Inhalte sich jederzeit ergänzen und korrigieren lassen, kann das Angebot mit jeder neuen Ausstellung mitwachsen – ohne dass Schilder neu gedruckt oder Geräte eingesammelt werden müssen.

Mit explario hinterlegen Sie zu jedem Exponat Texte in einfacher Sprache, Übersetzungen und Audioguides und stellen sie über einen QR-Code bereit. Ihre Gäste nutzen ihr eigenes Smartphone, wählen Sprache und Darstellung selbst und erleben Ihre Ausstellung so, wie sie für sie verständlich ist – damit aus baulicher Zugänglichkeit echte Teilhabe wird.

Quellen

  • LEO-Studie 2018 „Leben mit geringer Literalität“, Universität Hamburg (2019).
  • UN-Behindertenrechtskonvention, Artikel 30 – Teilhabe am kulturellen Leben.
  • DIN SPEC 33429 „Empfehlungen für Deutsche Leichte Sprache“ (2023), im Auftrag des BMAS.
  • Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), Zahlen und Fakten.